Auktionsgeschichte: „Die allergrößten Kanonen der Philatelie“
Seit dem Gründungsjahr 1913 hat das Auktionshaus Heinrich Köhler mit hunderten Auktionen bewiesen, dass wir zu den führenden Adressen in der Welt der Philatelie gehören. Jährlich ehren wir im Frühjahr und im Herbst mit zwei internationalen Großauktionen in Wiesbaden die schönste Nebensache der Welt – das Briefmarkensammeln. Ob schöne Stücke für den kleineren Geldbeutel oder auch die bedeutendsten Raritäten für höchste Ansprüche – beim Auktionshaus Heinrich Köhler werden alle Philateliebegeisterten fündig.
Vor mehr als 100 Jahren begann das Zeitalter der Auktionen für Spitzenphilatelie in Deutschland.
Vom 23. bis 26. April 1913 führte Heinrich Köhler in Berlin seine erste Briefmarken-Versteigerung in Deutschland durch. Der renommierte Philatelist Karl Hobrecker schrieb dazu in der Berliner Briefmarken-Zeitung vom 10. Mai 1913: „Habe ich doch selbst bisher lebhaft gewünscht, einmal eine derartige Veranstaltung kennenzulernen, einerlei ob es in Paris oder London gewesen wäre. Wenn die allergrößten Kanonen der Philatelie aufgefahren werden.
Wir brauchen diesen Auktionen nicht mehr nachzureisen, die Auktionen kommen zu uns.“ Und weiter: „Nachdem sich der Saal mit Menschheit und Tabaksduft gefüllt hatte, erschien der Einberufer der Versammlung, bewaffnet mit dem weißen Hammer. Still ward es rings und es erhob sich Heinrich Köhler und begrüßte die Versammlung. In einer kurzen, natürlich ‚markigen‘ Ansprache bat er um unser Wohlwollen und dann erfolgte das erste Gebot.“
Mehr als 7.500 Lose pro Versteigerung
Es hat sich seit dieser Zeit Einiges verändert. Zwei Beispiele dazu: Heinrich Köhler rief 1913 exakt 1.010 Lose auf. Heute sind es im Schnitt mehr als 7.500 Lose pro Versteigerungsevent bei uns. Und das Online-Live-Bieten hat den Auktionssaal für Bieterinnen und Bieter aus der ganzen Welt geöffnet. Maßgeblich ist aber: Noch immer gibt es beim Auktionshaus Heinrich Köhler die „allergrößten Kanonen der Philatelie“ und begeisterte Einlieferer und Bieter. Übrigens: Den weißen Hammer von Heinrich Köhler können Sie bis heute in unseren Räumlichkeiten in Wiesbaden bewundern.
Jetzt nehmen wir Sie gern mit auf einen kleinen Parcours-Ritt durch einige unserer Auktionshighlights.
Unsere größten Erfolge
Eine der prominentesten Autoritäten der klassischen Philatelie
Los geht es mit einer der prominentesten Autoritäten der klassischen Philatelie: John R. Boker Jr. (1913 bis 2003). Das philatelistische Interesse dieses außergewöhnlichen Mannes, der in einem Atemzug genannt wird mit den bedeutenden Sammlern Ferrari, Burrus oder Lichtenstein, galt unter anderem den Briefmarken-Ausgaben der Altdeutschen Staaten. John Boker entstammte einer deutschen Fabrikantenfamilie, die in Solingen eine Schneidwarenfabrik betrieb und schon 1837 in New York eine Firma zum Import ihrer Produkte gründete. Im Bereich Altdeutschland baute Boker die damals größte Privatsammlung der Welt auf. 1985 vertraute er sie dann dem Auktionshaus Heinrich Köhler zum Verkauf an. Bei insgesamt 18 Versteigerungen kam bis Januar 2000 die phänomenale Boker-Sammlung „Altdeutsche Staaten“ in Wiesbaden unter den Hammer. Gesamterlös: nahezu 60 Millionen D-Mark!
Die erste Adresse für Spezialauktionen und „Name Sales“
In den vielen Jahrzehnten unserer Auktionsgeschichte haben wir mit hoher philatelistischer Kompetenz zahlreiche internationale Sonderkataloge herausgegeben und uns als erste Adresse für Spezialauktionen und „Name Sales“ etabliert. Stellvertretend für hunderte einzigartige Sammlungen hervorragender Philatelisten möchten wir Ihnen wiederum zwei Beispiele nennen.
Eine ganz besondere Ehre und Auszeichnung
Eine ganz besondere Ehre und Auszeichnung war für uns die Versteigerung der bemerkenswerten Sammlung von Simon Wiesenthal (1908 bis 2005) im Jahr 2006. Er brachte den Holocaust-Organisator Adolf Eichmann vor Gericht und enttarnte mehr als 1.000 weitere NS-Größen. So unermüdlich er Jahrzehnte lang Informationen über untergetauchte Kriegsverbrecher sammelte, so akribisch formte er seine philatelistischen Kollektionen – darunter „Rumänien“, „Sizilien“, „Russland“, „Österreich“ und „Bayern“ – und legte diese schließlich vertrauensvoll in unsere Hände. Nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Bekanntheit des berühmten „Nazi-Jägers“ sorgte unsere Simon-Wiesenthal-Auktion für große Aufmerksamkeit und brachte die Philatelie in eine breite internationale Öffentlichkeit.
Das Ziel ist eine maximale Nachfrage.
Bevor wir jetzt zum zweiten Beispiel kommen, sollten Sie vorab Folgendes wissen: Umfasst eine umfangreiche Kollektion mehrere Sammlungen, dann werden diese im Sinne des Kunden bei den verschiedenen Auktionsfirmen des Global Philatelic Network platziert und dort jeweils bestmöglich realisiert. Um eine maximale Nachfrage zu erzielen, findet dies in besonderen Fällen sogar simultan statt. Dabei stach die beeindruckende Kollektion des fränkischen Unternehmers und ausgezeichneten Philatelisten Fritz Kirchner (1925 bis 2008) besonders heraus. Seine Sammlungen wurden von 2009 bis 2011 parallel sehr erfolgreich bei den Auktionshäusern Heinrich Köhler und Corinphila versteigert – die deutsche Generalsammlung in Wiesbaden, die Kollektionen Österreich, Italien und Schweiz in Zürich.
Ein außerordentliches Prädikat und Gütesiegel
Zu guter Letzt möchten wir einen ganz außergewöhnlichen Philatelisten und Philanthropen würdigen – den großen Sammler und erfolgreichen Weltkonzernlenker Erivan Haub (1932 bis 2018). Fakt ist: Alle elf Versteigerungen der phänomenalen Kollektion „ERIVAN“, die das Auktionshaus Heinrich Köhler von 2019 bis 2024 veranstaltete, schrieben ausnahmslos unvergessliche Auktions- und Philatelie-Geschichte. Sein philatelistisches Lebenswerk wird in vielen Sammlungen fortbestehen und die Provenienz „ex ERIVAN“ als außerordentliches Prädikat und Gütesiegel Bestand haben. Zahlreiche dieser Preziosen erzielten bei unseren Versteigerungen sechsstellige Ergebnisse.
Erivan Haub war seit John R. Boker Jr. zweifellos der bedeutendste Klassiksammler der Welt. Er baute unvergleichliche Sammlungen zu den Gebieten Altdeutschland, USA, Großbritannien, Österreich und Schweiz auf, um nur einige zu nennen. Und er verfügte noch zu Lebzeiten, dass diese nach seinem Tod bei den Unternehmen des Global Philatelic Network unter Führung des Auktionshauses Heinrich Köhler versteigert werden sollten. Es war eine riesige Herausforderung für unser gesamtes Team, dieser Mammutaufgabe gerecht zu werden. Wir alle bei Heinrich Köhler sind dankbar und stolz, dass wir sie meistern durften. Insgesamt summierten sich die Zuschläge auf beispiellose und enorme 380 Millionen Euro! (Zahl bitte korrigieren!!)
Millionen Menschen wurde die Faszination Philatelie nähergebracht!
Die Versteigerungen der legendären Sammlung ERIVAN sorgten seit ihrem Beginn im Jahr 2019 nicht nur bei Händlern und Sammlern für Begeisterung. Zum Ausruf kamen viele Unikate und äußerst seltene historische Dokumente der Kommunikation, die in Bedeutung und Qualität kaum zu übertreffen sind. Der entsprechenden Aufmerksamkeit der Fachwelt waren wir uns daher gewiss. Wir wussten darüber hinaus, dass diese besonderen Stücke und ihre Geschichten auch für Nicht-Philatelisten spannend sind und wollten unbedingt auch die breite Öffentlichkeit informieren. Neben einer breiten Ansprache überregionaler Medien zur ersten Versteigerung mit dem Highlight des Baden-Fehldrucks als „Deutschlands wertvollster Briefmarke“ gab es daher bei allen Auktionen die gezielte, persönliche Ansprache von Journalisten regionaler Medien mit Raritäten aus dem Sammelgebiet „Altdeutsche Staaten“, die einen Bezug zu ihrem Verbreitungsgebiet haben. Hinzu kamen jeweils exklusive Vorabinformationen zu den Highlights der jeweiligen Auktionen an die dpa als führender deutscher Nachrichtenagentur. Das Vorgehen brachte den gewünschten Erfolg. ZDF, RTL, n-tv, SAT.1 und der Hessische Rundfunk waren am 8. Juni 2019 vor Ort und berichteten in ihren Nachrichtensendungen darüber, dass der Baden-Fehldruck mit einem Versteigerungsergebnis von 1,52 Millionen Euro (inkl. Käuferprovision) die wertvollste Briefmarke Deutschlands ist. Zur ersten Versteigerung erschienen insgesamt über 230 Artikel in Print- und Onlinemedien in ganz Deutschland. Zu den folgenden ERIVAN-Auktionen in Wiesbaden wurden Dutzende weiterer Berichte in Medien von Helgoland bis Passau und von Schwerin bis an den Bodensee veröffentlicht.
Das Auktionshaus Heinrich Köhler erhielt dafür 2022 den renommierten Stevie-Award in Silber in der Kategorie „PR-Kampagne des Jahres – Medienarbeit“. Viel wichtiger aber ist: Millionen Menschen wurde die Faszination Philatelie nähergebracht!
Wenn Sie mehr über unsere langjährige und erfolgreiche Auktionsgeschichte wissen möchten, hier finden Sie eine nach Sammelgebieten sortierte Liste unserer Versteigerungen seit 1913:
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